Mini-Chopper von Liberta

Ab wann ist ein Motorrad wirklich ein Motorrad? Die schnieken Mini-Chopper von Liberta Motorcycles GmbH werden jedenfalls mal wieder den Humor der traditionellen Motorradler prüfen.

Der erste Anblick ist eine Überraschung: Starrahmen, Springer-Gabel, Schwingsattel, Reifendimensionen, Lackierung… die Chopper-Optik dieses Motorrads stimmt und lässt auf Schwermetall aus Milwaukee tippen! Doch spätestens beim Blick auf den zierlichen Vergaser wird der Betrachter stutzig.

Und tatsächlich, das Ding ist kein exklusiver Umbau auf Basis einer Harley-Davidson Sportster, sondern ein neukonstruiertes und jüngst auf den deutschen Markt gebrachtes Leichtkradrad der Klasse A1 zum Basispreis von 4500,- Euro. Oha!

Liberta T1-125 aus China

Hinter der Liberta T1-125 steht die alte Frage, wie man zum kleinen Preis und ohne Führerschein-Hürden zum richtigen Motorrad-Fahrspaß gelangen kann? Eine Idee zur Lösung dieses Problems hat der ehemalige Mountainbike-Profi Niels-Peter Jensen aus Hamburg. Er ist Teil der mehrköpfigen Liberta Motorcycles GmbH & Co. KG, die nicht nur stilechte Chopper-Bikes mit 50- und 125-Kubikzentimeter auf den Markt bringt, sondern gleichzeitig auch ein umfassendes Zubehör- und Dienstleistungsprogramm. Respekt, so weit muss man erstmal kommen!

Coolness mit 50 ccm?

Und dennoch bleibt ein Zweifel gegenüber dem recht laut daherkommenden Lifestyle- und Marketingkonzept der Liberta-Jungs. Echtes, kerniges Motorrad-Gefühl oder gar Coolness (Himmel hilf, welch großes Wort!) auf Grundlage eines 50 bzw. 125 cm³-Motörchens aus der Volksrepublik China und Discounter-Preisen? Ist das wirklich ernst gemeint, oder überliest man da ein Augenzwinkern? Traditionelle Biker sind jedenfalls eine erzkonservative Bruderschaft, deren extreme Gralshüter es zum Teil auch 50 Jahre nach ihrer Einführung nicht recht geschafft haben, japanische Motorräder als vollwertig zu akzeptieren. Diese harten Bretter werden die Libertas niemals bohren.

Als Motorrad gut gelungen

Aber wollte man das denn? Es gibt ja noch die andere Gruppe der Motorradfahrer, welche nicht so enge Scheuklappen tragen und die gerne auch für kleines Geld (und auch der Motorradführerschein will erstmal bezahlt sein) ihren Traum auf zwei Rädern verwirklichen möchten. Hier werden die Libertas ganz bestimmt punkten, auch dann, wenn in geraumer Zeit der Ironie-Faktor der kleinen Chopper verschwunden sein wird. Dafür sind die kleinen Bikes einfach viel zu gut gelungen, wiederhole: viel zu gut gelungen.

Wer ist ein echter Motorradfahrer?

Und überhaupt: Bei der Diskussion ums wahre Motorrad sollte man doch erstmal der Frage nachgehen, welcher Typ denn überhaupt ein echter Motorradfahrer ist. Wie bewertet man zum Beispiel den Eigner eines Dentallabors, der einmal im Sommer seine 20.000 Euro teure BMW R 1200 GS Adventure aus der dichtgeparkten Garage zieht, im Gegensatz zu Opa Örkel, der mit seinem sauer ersparten Hyosung Billigst-Chopperlein von März bis November den Verkehr auf den Landstraßen des Umlandes entschleunigt? Und wie steht´s mit echtem Fahrkönnen, zum Beispiel bei Regen, oder der Fähigkeit, einen „Kurzen“ in der Elektrik zu finden und mit Bordmitteln zu beheben?

Nun also, Liberta, ja oder nein? Sagen wir mal so. Wenn mir bei Temperaturen um die zehn Grad, im strömenden Regen oder im Pannenfall jemals ein Liberta-Driver begegnet, werde ich ihn akzeptieren. Das gilt im übrigen auch für Harley-Fahrer, Honda-Fahrer, Kawasaki-Fahrer, Ducati-Fahrer, Triumph-Fahrer…

Autor: Achim Bartscht

Mehr zum Mini-Chopper von Liberta

WS: liberta-motorcycles.com

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Eine Antwort

  1. Tja, im November 2014 war bereits „Licht aus“ für Liberta. Insolvenz, Affe tot. Woran es letztlich gelegen hat? Keine Ahnung. Der gesamte Auftritt war schon recht pompös und wahrscheinlich eine Nummer zu groß für den tatsächlichen Absatz. Vielleicht sind Chopper auch einfach nicht fähig zur Ironie.

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