Indian 741B Scout von Iconic-Cycles Ltd.

Die Indian 741B Scout von Iconic-Cycles Ltd. ist der Beweis dafür, dass auch mausetote Indianer aus den Ewigen Jagdgründen auferstehen können.

Diese Rothaut hätte es schon 1944 in der Normandie erwischen können, in der Nordeifel oder schließlich in den Ardennen. Doch den Zweiten Weltkrieg in Europa hat die US-Militärmaschine noch unbeschadet überstanden. In die Ewigen Jagdgründe ist sie wohl erst in den 1970er oder 1980er Jahren eingegangen, in denen ihr dann als Ersatzteilspender endgültig der Garaus gemacht wurde.

Der erste Restaurierungsversuch ist um das Jahr 2000 herum gescheitert. Dann lag sie noch weitere Jahre zerlegt in einer Kiste und kam 2020 schließlich zu Arne Petersen von Iconic-Cycles Ltd. Der Vintage-Motorcycle-Spezialist aus Büchen brauchte acht Monate und sein gesamtes Ingenieur-Know-how, um dem fast völlig ausgeweideten Kriegspferd wieder Leben einzuhauchen. Doch jetzt läuft sie wieder, und das besser als je zuvor: Indian 741B Scout von 1942. Eine von rund 35.000 Exemplaren, die einst in den U.S. armed services dienten.

Nur noch eine leere Hülle

Tank, Rahmen, Gabel, Mudguards und andere Teile waren zwar noch in der Kiste zu finden, doch dieses Restaurierungs-Projekt war ein Auftrag für den echten Könner. Arne Petersen erinnert sich: “Am Motor fehlte fast alles. Nockenwelle, Stirnräder, Deckel, Kolben, alles war weg. Die Zylinder verschlissen, die Köpfe verzogen. Die wichtige Ölpumpe, die auch den Zündverteiler antreibt, ebenfalls weg. Der kostbare Bronze-Vergaser des Herstellers Linkert war zwar noch vorhanden, innen aber völlig leergeräumt!” Kurzum: die perfekte Herausforderung für einen echten Schrauber!

Und wo andere scheiterten, konnte sich Arne Petersen mit technischer Vorstellungskraft, Instinkt und Methode voranarbeiten. Dazu zählten unter anderem eigens konstruierte Prüfstände für den Funktionscheck der Ölpumpe sowie für die Justierung des sensiblen Linkert-Vergasers. Mit viel Ausdauer, Handbüchern und Listen aus dem Internet, dem findigen “Indian Teile-Dienst” von Jürgen Matter aus Backnang und völlig neu angefertigten Bauteilen nahm der amerikanische V-2 nach Monaten wieder seine alte Gestalt an. Nun auch frisch erstarkt mit 600 statt 500 ccm Hubraum und einer neu gewuchteten Kurbelwelle. Die tote Rothaut war wieder unter den Lebenden!

Auch die Elektrik völlig neu

Neben der Mechanik wurde auch die gesamte Elektrik mit Kabelbaum, Scheinwerfer, Rücklicht, Bremslicht, Zündung, und Batterie mit moderner 12 Volt-Technik neu aufgebaut. Ein Frevel? Nicht für Petersen, der für „Originalität um jeden Preis“ keinen Sinn hat: “Verglichen mit denen von heute sind die uralten Elektrik-Bauteile einfach Mist. Ihre Instandsetzung kommt mindestens so teuer wie Neuteile. Und sie funktionieren in der Praxis nicht annähernd so gut wie neue!”

Dazu möchten seine Kunden natürlich auch weitestgehend zuverlässige Motorräder in Empfang nehmen, die ihre Geduld nicht über das zu erwartende Maß hinaus strapazieren. Die alten Dinger sollen gefahren werden!

Technische Details oft besser als bei H-D

In den acht Monaten dieser Kernsanierung konnte Arne Petersen die Indian Scout natürlich richtig gut kennen- und schätzen lernen. Er findet sie in vielen Details durchdachter gestaltet als die zeitgenössigen Maschinen von Harley-Davidson. Seinem Ingenieurblick gefällt zum Beispiel die Konstruktion der Ölpumpe auf der rechten Motorseite, die für die Schmierung und gleichzeitig für den Antrieb des Zündverteilers zuständig ist. Oder dass das Getriebe und der Primärantrieb im gemeinsamen Ölbad liegen und so die Wartung vereinfachen.

Burt Munro fuhr Indian Scout

Dass Petersen, ein Liebhaber klassischer Racer aus Merry Old England, plötzlich ins Lager ausladender Lenker, üppiger Schwingsättel und breiter Fußbretter abgleiten könnte, ist aber ausgeschlossen.

Immerhin gibt es eine Sache, die zwischen dem US-V2 und dem Mann aus Büchen eine emotionale Brücke schlägt: Burt Munro, der legendäre Geschwindigkeits-Rekordhalter für Motorräder unter 1000 ccm, fuhr alle Titel mit seiner uralten Indian Scout ein. Und welches technische Geschick und welche Geduld der Neuseeländer aufbringen musste, um seinen amerikanischen V2 so richtig auf Trapp zu bringen, kann der Vintage-Spezialist Petersen mittlerweile mit großer Bewunderung nachvollziehen.

Autor: Achim Bartscht

Mehr zur Indian 741B Scout von 1942

WS: iconic-cycles.com
WS: nationalmcmuseum.org

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