BMW K 100 von Motofication

Aus einem BMW K-Modell ein gescheites Motorrad zu machen, ist eine schwierige Aufgabe. Die BMW K 100 von Marc Robrock alias Motofication zeigt aber, wie man sie meistern kann.

1983 stellte BMW seine moderne K-Reihe der Öffentlichkeit vor und stürzte damit einen großen Teil der weiß-blauen Fangemeinde in die Depression. Die wollte durchaus ein BMW-Motorrad haben, dass leistungsmäßig mit den schnelleren Japanern mithalten konnte. Und nein, gegen Vierzylinder-Motoren und gegen elektronische Benzineinspritzung war prinzipiell auch nichts einzuwenden. Doch warum mußte der neue Motor wie ein plumper Ziegelstein auf der Seite liegend platziert werden und – die entscheidende Frage – warum mußte das ganze Motorrad verdammt nochmal so häßlich aussehen? Aller Argumente der Ingenieure, den Bestnoten der Testjournalisten sowie den guten Verkaufszahlen zum Trotz: für Fahrer mit konservativem Geschmacksempfinden blieben die „Bricks“ bis zum Produktionsende 1993 Motorräder zum Schönsaufen.

Zunehmend beliebt in der Customszene

Mittlerweile entwickeln sich die K-Modelle langsam aber sicher zur beliebten Grundlage für Custom-Umbauten. Hauptsächlich wohl deshalb, weil die luftgekühlten Boxer, die „Airheads“, deutlich teurer geworden sind und die gebrauchten „Bricks“ nach wie vor zu sehr günstigen Preisen angeboten werden. Dazu sind die massigen Bikes noch für überraschende und originelle Auftritte gut, während die Boxer schon in allen Genres, vom Café Racer über Bobber zum Scrambler, flächendeckend durchgenudelt wurden.

Nicht einfach umzubauen

Der Nachteil der K-Modelle ist allerdings, dass sich die umfangreiche Elektronik (u.a. Benzineinspritzung, später auch noch ABS) über das gesamte Motorrad verteilt und nicht so einfach von Laien umgearbeitet werden kann. Dazu hat der Rahmen eine optisch ungünstige Geometrie und auch nicht mehr den abschraubbaren Heckrahmen der alten Boxer, der sehr einfach zu verändern war. Eine Herausforderung für Könner also, insbesondere wenn die Straßenzulassung der K erhalten bleiben soll.

Nach der K-Fé und K-FÉ Evo II ist die hier gezeigte K-FÉ RT mittlerweile die dritte BMW K, die von Motofication der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ein Motorrad ganz nach dem puristischen Geschmack des Firmen-Chefs Marc Robrock, der als hauptberuflicher Metallbauer- und Metallbildnermeister ein besonders inniges Verhältnis zu Oberflächen aus Stahl, Aluminium und Eisen pflegt. Seine neuste Maschine bestätigt wieder sein „Feeling“ für die BMW K-Modelle. Die Instrumente von MotoGadget, ein vollständig leergeräumtes Rahmendreick, ein neuer Heckrahmen mit runder Schleife, eine neue Sitzbank mit poliertem Aluminium-Höcker und ein veränderter Auspuff: Alle neuralgischen Punkte eines „Bricks“ wurden bei dieser Maschine zum Vorteil verändert.

Wie schwer das ist, zeigt auch hier der Übergang vom Tank zur Sitzbank mit seiner deutlich erkennbaren Kante. In summa ist der handgefertigte Sitzbankhöcker dennoch einer der besseren in der K 100-Customszene. Der Hochglanz des Höckers und des originalen Aluminium-Tanks verleihen der BMW auch den einzigen Schmuck, der zum Charakter dieses maskulinen Bikes passt. Weitere Veränderungen, etwa an Gabel oder Rädern, wurden nicht vorgenommen. Hier wollte Motofication dem Motorrad K 100 treu bleiben.

Nicht schön, aber imposant

Fazit: Auch nach dem Verlassen der Meisterwerkstatt von Motofication wird eine K 100 das Attribut „schön“ nicht erhalten. Aber wenn der „Ziegelstein“ von Routiniers wie Marc Robrock erstmal freigelegt und in Szene gesetzt wird, zeigt sich, welch imposantes (Motoren-)Herz in diesem Brummer tatsächlich steckt. Das Ergebnis ist ein kraftvolles, charakterstarkes und auf 200 kg abgespecktes Bigbike, das sich auch aus heutiger Sicht gut beschleunigen und fahren lässt. 32 Jahre nach Produktionsstart ist also doch noch ein gescheites Motorrad aus der K geworden.

Autor: Achim Bartscht

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WS: motofication.com
WS: pipeburn.com

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