Catkiller vom Team Kraftstoffschmiede

Der „Catkiller“ vom Team Kraftstoffschmiede tritt 2016 mit technischen Leckerli wie Kaczor-Rahmen und Lachgas-Einspritzung gegen den „Sprintbeemer Furtherer“ der Lucky Cat Garage an.

2015 kam die Achtelmeile für diese Maschine noch zu früh. Angetreten beim Glemseck 101 (in der Klasse: Who´s wanna kill the cat?), um den furiosen „Sprintbeemer Furtherer“ der Lucky Cat Garage in die Schranken zu weisen, wollte der weiß-blau-rote „Catkiller“ dann doch nicht so recht aus den Puschen kommen und musste selber, mit Getriebe- und Kupplungsproblemen, vorzeitig zurück ins Körbchen.

Seinem Konstrukteur und Fahrer Philipp Ludwig war die Pleite gottlob kein Anlass zum vorzeitigen Handtuchwurf. Für den Sommer 2016 hat er, wieder zusammen mit seinem ebenfalls motorradverrückten Kumpel Markus Duesmann, unter dem Namen „Team Kraftstoffschmiede“ einen verbesserten „Catkiller“ zum Beschleunigungswettbewerb „Sultans of Sprint“ gemeldet, der diesmal, unter anderem beim „Wheels and Waves“ in Biarritz und beim „Glemseck 101“ in Leonberg, die Konkurrenz hinter sich zurück lassen soll.

Motorsport-Zitatensammlung

Wie der Gegner aus der französischen Lucky Cat Garage, so ist auch der bayerische Herausforderer eine Mischung aus Custombike und Dragster, und damit eine freischwingende Zitatensammlung vergangener Motorsport-Pracht. Erlaubt ist, was gefällt – und in diesem Sinne erkennt man auch in der Verkleidung des „Sprintbeemer Furtherer“ die tiefe Verbeugung vor dem eindrucksvollen Windschutz der MV Agusta 175 Squalo von 1956. Und ebenso gestattet sich Ludwigs und Duesmanns „Catkiller“ Rückgriffe auf die Rennsport-Historie: Ein BMW R100 RS Motor hängt in einem Nachbau des legendären Kaczor-Rahmens aus den 1960er Jahren. Ja mei, ginge es nur nach Schönheit, so wäre sein flacher wie stilsicherer Renner ohne Zweifel für vorderste Plätze gut!

Der Rahmen des Ferdinand Kaczor

Besagter Ferdinand Kaczor stand in dem Ruf, als Techniker und Fahrer extreme Leistungen aus seinen technisch unterlegenen BMW-Motorrädern herauskitzeln zu können. Ein wesentlicher Baustein seiner Rennerfolge war der von ihm selbstentworfene Rahmen, der besonders steif und flach war und seine 500 ccm BMW zu Achtungserfolgen gegen die in jener Zeit tonangebenden MV Agusta, Matchless und Norton befähigte. Leider verunglückte der beliebte Rennfahrer 1970 mit 29 Jahren tödlich. Der Nimbus seiner in kleiner Stückzahl gebauten Motorradrahmen ist aber bis heute lebendig geblieben.

Ferdinand Kaczor galt als ein sehr gutaussehender Mann, als ein sehr guter Motorradfahrer und er war ein hochgeschätzter Ingenieur in der BMW-Versuchsabteilung. Und zumindest in der letzten Eigenschaft kommt Philipp Ludwig seiner Inspirationsquelle sehr nahe, denn der 36-jährige ist ebenfalls Ingenieur und als solcher in der Versuchsabteilung der weiss-blauen Marke tätig. „Die Kaczor-Rahmen waren immer verzinkt und die Schweißnähte ziemlich schlecht!“, erklärt Ludwig, der sich sein Spezialwissen mühsam erarbeiten mußte. Mittlerweile hat er bereits fünf Rahmenreplikas (davon zwei von der Firma Herbert Gletter Motorradtechnik) zusammen mit Markus Duesmann in verschiedenen Motorrad-Projekten verbaut.

Im Gegensatz zum Original ist ihr Catkiller-Rahmen für die Aufnahme der größeren BMW-Motoren der Baureihe 247 ausgelegt und mit der um 100 mm verlängerten Schwinge einer BMW R 65 (HPN-Motorradtechnik) ausgestattet. Der Fiberglas-Tank ist übrigens ein Original von demselben Hersteller, der schon für Ferdinand Kaczor gearbeitet hat. Hier konnte Ludwig bei einem Besuch noch den einen oder anderern Schatz aus dem alten Lager heben.

Motor mit Lachgas-Einspritzung

Wie der „Sprintbeemer Furtherer“, so wurde auch der Catkiller mit einer leistungssteigernden Lachgaseinspritzung ausgestattet, die so ähnlich unter der Bezeichnung „GM-1 Anlage“ bereits in deutschen WWII-Kampfflugzeugen zum Einsatz kam. Das Distickstoffmonoxid (N2O) wird bei 90% geöffneten Gasschieberstand über den Ansaugstutzen zugeleitet und ist nach den Messungen Ludwigs für eine Leistungssteigerung von 30 bis 35 PS gut. Die mitgeführte Menge reicht für circa vier Sprints. Der R 100 RS Motor selbst beinhaltet natürlich noch weitere Leckereien: Die Kurbelwelle wurde bei SWT Sports erleichtert und gewuchtet; Pleuel und Ventiltrieb wurden ebenfalls optimiert und ein BigBore-Satz mit 1070 ccm verbaut. Die Leistung seines so getunten Boxers taxiert Ludwig – ohne Lachgaszusatz – auf 98 PS.

Zum sehr gelungenen Look des Catkillers tragen auch die kleine Cockpitverkleidung und der Sitzbank-Bürzel aus Kohlefaser-Gewebe bei. (Wie praktisch, dass Philipp Ludwigs Vater beim Karbonhersteller SGL CARBON tätig ist!) Auch diese Details sind sehr stilsicher und sehr hochwertig ausgeführt. Philipp Ludwig und Markus Duesmann machen das ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal.

Ob „Team Kraftstoffschmiede“ nun wirklich ganz oben aufs Podium kommt? Jedenfalls zeigt sich am Beispiel des Catkillers, dessen Technik-Mix einen Bogen von den 1940er Jahren (Lachgaseinspritzung), über die 1960er Jahre (Kaczor-Rahmen) bis in die Gegenwart (Karbongewebe) schlägt, wie vielfältig und attraktiv das Genre der Custom-Dragster ist. Wir wünschen Ludwig und Duesmann Hals- und Beinbruch bei der Katzenjagd!

Autor: Achim Bartscht

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Eine Antwort

  1. In eigener Sache: Im Mittelpunkt dieser Geschichte von 2016 stand natürlich Philipp Ludwig, mit dem ich auch telefonierte. Im Laufe der Zeit wurde der Beitrag dann, wie üblich, immer weniger angeklickt. Im Januar 2021 stiegen die Zugriffe plötzlich wieder deutlich an. Warum? Weil ein gewisser Markus Duesmann der SZ aus München ein Interview gegeben hatte, das viele Google-Suchen auslöste und stattliche Zugriffe auf meinen Beitrag zur Folge hatte. Denn Markus Duesmann ist mittlerweile Vorstandsvorsitzender bei Audi geworden! Wie cool ist das denn?

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