• Foto: Iconic-Cycles - Commando_750SS#1

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Norton Commando 750 SS von Iconic-Cycles

Sehr schön und sehr selten: Norton Commando 750 SS von 1971. Der rote First-Class-Neuaufbau von Iconic-Cycles Ltd. zeigt eine äußerst rare „Street Scrambler“ in perfektem Zustand.

Dieses Motorrad begeistert auf den ersten Blick. Es wirkt gestreckt, kraftvoll und sehnig, ohne ein Gramm Fett auf den Rippen. Die Proportionen von Tank, Sitzbank, Rädern und Motor sind absolut stimmig und der nach vorne geneigte Zweizylinder vermittelt bereits im Stand Dynamik. Die Gehäuse-Schalen von Motor und Getriebe sind wahre Skulpturen aus poliertem Aluminiumguß und die hochgelegten Auspuffrohre könnten auch einer Rakete Ehre machen. Zweifel ausgeschlossen, das muss eine Norton Commando sein! Und die gab es also auch als Scrambler?

The world’s first production Superbike

Als 1967 die erste Norton Commando 750 mit dem neuartigen „Isolastic Suspension“-Rahmensystem auf den Markt kam, war sie eine Sensation. Die genialen Gummiaufhängungen an Motor, Schwinge und Auspuff entkoppelten den Rahmen von den starken Vibrationen des langhubigen Gleichläufer-Parallel-Twins und vermittelten einen für englische Motorräder erstklassigen Fahrkomfort. Die Maschine war sehr elegant gestaltet, bärenstark und hatte nahezu perfekte Fahreigenschaften. Auf der Straße war die Norton Commando 750 lange das schnellste Serien-Motorrad ihrer Zeit. Trotz ihres stolzen Preises verkaufte sich „the world’s first production Superbike“ in Europa und den Vereinigten Staaten mit großem Erfolg und in vielen Varianten bis 1978.

Scrambler und Street Scrambler für Amerika

Um der Scrambler-Begeisterung des US-Marktes endlich Rechnung zu tragen, brachte Norton dann von 1969 bis 1970 die Commando 750 „S“ nach Nordamerika. Dieses Modell war nicht als kernige Geländesport-Maschine konzipiert und sollte lediglich, mit erhöhtem Lenker und Frontkotflügel, kleinerem GfK-Tank, kurzer Sitzbank, Motorschutzplatte und parallel auf der linken Seite verlegter Auspuffanlage, den beliebten Offroad-Look kopieren. Diese Rechnung ging für Norton allerdings nicht auf. Der sich nur schleppend verkaufenden „S“ folgte in noch kleinerer Stückzahl von 1970 bis 1971 die „SS“ (Street Scrambler), deren Hauptunterscheidungsmerkmal zur „S“ die nun auf der linken und rechten Seite verlegte Auspuffanlage war. Doch auch die „Street Scrambler“ konnten das Steuer für Norton nicht mehr herumreißen. Nach rund 200 „S“ und „SS“ wurde die Produktion schließlich eingestellt. Die noch bei den Händlern verbliebenen Offroader wurden meistens zu Straßenmaschinen zurückgebaut und als „Roadster“ verkauft, denn in dieser Form waren die Commandos nach wie vor heiß begehrt.

Mit E-Starter und viel Detailarbeit besser als neu

Die hier gezeigte Maschine ist eine dieser raren Norton Commando 750 SS von 1971. Im Stil der Firma Iconic-Cycles Ltd. aus Büchen wurde das Motorrad als Wrack aus den USA importiert und als First-Class-Neuaufbau wieder auf die Räder gestellt. Aus vielen Neuteilen, Original-Ersatzteilen und dem Know-How von Firmenchef Arne Alf Petersen (52) ist dabei ein alltagstaugliches Brit-Bike entstanden, das in Sachen Fahrbarkeit, technischer Zuverlässigkeit, Qualität und Finish das Original noch ein gutes Stück weit in den Schatten stellt. Beispiele dafür sind etwa der aufwändig nachgerüstete E-Starter der Firma Alton aus Frankreich, der das Starten des langhubigen und hochverdichteten Zweizylinders zu einem Kinderspiel macht. Oder die Verwendung der Isolastic-Befestigungen der späteren Mk III Commandos, die wesentlich einfacher und sicherer einzustellen sind als die frühen Baumuster. Oder die neugespeichten Räder mit moderner, aber stilgerechter Twinduro-Bereifung von Continental, die formschönen Ochsenaugen-Blinker und so weiter und so fort…

Darf man bei so einem schönen Motorrad auch von den Kosten sprechen? Vielleicht sollte man andersherum fragen: Wird eine Norton Commando 750 SS überhaupt zum Kauf angeboten? Beim Auktionshaus Bonhams (siehe unten) kam Anfang 2015 eine Maschine für 14.400 Euro unter den Hammer. Und Arne Petersen erinnert sich an die Offerte einer „Street Scrambler“ im Zustand 3 für ca. 17.000 Euro. (Und da fängt der Restaurierungsspaß ja erst an!) Es kann sich aber dennoch rechnen, weil dieser Vertreter des englischen Motorrad-Adels mit Sicherheit nichts an Wert einbüßen wird. Und wer sich puren Fahrspaß leisten kann und will, darf versichert sein: Auf den neusten Stand gebracht, sind die mehr als 40 Jahre alten Norton Commando nach wie vor hervorragende Motorräder.

Was sagt die Fahrerin?

Beneidenswerte Eigentümerin der roten Norton 750 SS ist Daniela Haine aus Hamburg. Ihre Eindrücke:

„Ich war schon immer begeistert von alten Motorrädern, aber (An)kicken war einfach nicht meins. Dann, beim Stadtpark-Revival 2014, am Stand von Iconic-Cycles, stand sie da, die rote Norton Commando 750 SS: Hochgezogene Auspuffrohre, Geländereifen, der kleine Tank…einfach perfekt, wie neu, einfach nur schön! Die größte Überraschung: der E-Starter! Das war´s, dem Kauf eines alten Klassikers stand endlich nichts mehr im Wege!

Meine ersten Fahrten mit dem „neuen“ Klassiker waren aufregend. Arne Petersen von Iconic-Cycles sagte mir, die Maschine müsse eingefahren werden. Gut! Keine Tour glich anfangs der anderen, klar dass sich alles erst einspielen musste (Kupplung, Gas, Bremse, Beschleunigung, etc.). Wenngleich sie immer super angesprungen ist, war ihre Tagesform unterschiedlich; Stau und Hitze mag sie bis heute nicht. Je näher ich an die 1000 Meilen herankam, desto runder und gleichmäßiger fühlte sich das Fahren an. Durch die superleichtgängige Kupplung und Schaltung lässt sich die Maschine sowohl über Land, als auch im Stadtverkehr sehr gut und einfach „händeln“.

Am meisten Spaß machen die ausgedehnten, kurvenreichen Überlandstrecken. Durch die Stollenprofilreifen liegt die Maschine nun doch ein bisschen anders auf der Straße und so musste ich erst einmal ein gutes Gefühl entwickeln, bevor ich mich vertrauensvoll in die Kurven legte. Die eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 112 Meilen (180km/h) ist natürlich utopisch bei einer aufrechten Sitzhaltung, aber wer will das schon? Zwischen 50 und 60 Meilen „knattert“ sie eh´ am schönsten.

Inzwischen ist Sie so gut eingefahren, dass Sie beim Gas geben auf gerader Strecke bzw. beim Beschleunigen aus der Kurve heraus schnell auf Geschwindigkeit kommt, einen schönen Durchzug hat und einfach nur Laune macht.“

Autor: Beemer_HH

Weitere Informationen zum Thema
Webseite Iconic-Cycles Ltd.: iconic-cycles.com
Webseite Classic-British-Motorcycles.com: classic-british-motorcycles.com
Webseite nortonownersclub.org: nortonownersclub.org/models/commando
Webseite Bonhams: bonhams.com/auctions

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