• Foto: deuscustoms.com - Carby Tuckwell. Matchless G50

    Foto: deuscustoms.com - Carby Tuckwell. Matchless G50


Carby Tuckwell

Lässige Custom-Bikes, Surfboards, Fahrräder und die dazu passenden Klamotten: Seit 2005 erobert das australische Gesamtkunstwerk „Deus Ex Machina“ den Rest der Welt. Wesentlicher Bestandteil des Erfolgs ist Art Director Carby Tuckwell.

Deus Ex Machina ist ein Projekt von Australiens bekanntestem Unternehmer, Dare Jennings, dem Rennfahrer Nigel Begg, dem Mechaniker Rod Hunwick und dem Graphik-Designer Carby Tuckwell. Als leidenschaftliche Motorradfahrer wollten die vier eine völlige neue Art von Marke und Shop auf die Beine stellen und ihren Kunden damit ein viel breiteres Spektrum als nur die üblichen Motorräder, Klamotten und sonstigen Utensilien anbieten.

A brand around the lifestyle

Ausgangspunkt des Deus Ex Machina-Konzepts war die japanische Custombike-Kultur, die Jennings auf seinen Reisen kennengelernt hatte. In der Hingabe und Lust der Japaner, ihre Maschinen nach dem eigenen Geschmack umzubauen und radikal auf das absolut Notwendige zu reduzieren, erkannte Dare Jennings einen starken „Zurück zum Ursprung“-Trend, mit dem sich sicher auch in Australien Geld verdienen ließe.

Neben den Motorrädern wollte man die neu zu schaffende Marke um die Themen Surfing, Skateboarding und Fahrradfahren erweitern und auf diese Weise ein besonders attraktives Lifestyle-Amalgam erschaffen. Für die ästhetischen Inhalte von Deus Ex Machina musste sich Art Director Carby Tuckwell nur in der jungen Szene in und um Sidney herum umschauen: „Rather than try to create a lifestyle around the brand, Deus hopes to cultivate a brand around the lifestyle. The books they read, the objects they lust after, the art and fashion they gravitate towards and the music they listen to are all part of that lifestyle, and the customised single cylinder motorcycle is at its center.“

Ende 2005 öffnete dann das erste „House of Simple Pleasures“ seine Pforten in Camperdown Sidney. Auf 1600 m² einer alten Fabrik vereinte es Verkaufsflächen für Mode, einen Motorrad-Showroom, weitere Räume für Workshops und Veranstaltungen, ein Designstudio sowie ein Café. Im Jahr 2014 umfaßt das Deus-Reich bereits zwei Flagship-Stores in Australien, zwei auf Bali, einen in Los Angeles und einen weiteren in Mailand. Weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen.

Deus Ex Machina heißt übersetzt „Geist aus der Maschine“ und die Marke rekapituliert innerhalb ihres Lifestyle- und Ästhetik-Konzepts immer wieder die Frage, was den eigentlichen Reiz (oder eben Geist) beim Motorradfahren, Surfing, Skateboarding oder Fahrradfahren ausmacht. Tuckwells allgegenwärtige Zeichnungen, die sich unter anderem auch an allen Wänden der Deus-Shops, auf Veranstaltungs-Plakaten und auf vielen T-Shirts wiederfinden, transportieren dabei perfekt die Philosophie des Unternehmens. Sie sind meist freihändig und grob ausgeführt, weil Deus das Handwerkliche schätzt. Mit ihren Motorrad-, Surfing- und Fahrradmotiven (uvm.) sind sie inhaltlich vielfältig, weil Deus eben sehr viele Interessensgebiete vereint. Sie sind sehr farbig, weil die Deus-Welt draußen in der Natur stattfindet und bunt und heiter ist. Und sie wirken – wie das bekannte Matchless G 50-Motiv – immer schlicht und reduziert, weil Deus das Einfache und Wesentliche bevorzugt. Zitat Carby Tuckwell: „When I’m drawing these bikes, I’m only drawing the things that really matter.“

Natürlich auch eine große Konsummaschine

Natürlich ist diese Deus-Welt auch eine große Konsummaschine. Und natürlich sind es nicht die Motorräder, die Veranstaltungen, die frischen Salate oder die Milchkaffees, mit denen bei Deus Ex Machina das Geld verdient wird; es sind in erster Linie die T-Shirts und ihr weltweiter Vertrieb (nicht von ungefähr hat Dare Jennings zuvor seine Millionen mit der Surfmarke Mambo verdient). Aber es würde nicht funktionieren, wenn es gänzlich künstlich wäre. Männer und Frauen, jung und alt, kommen gerne und machen die Houses of Simple Pleasures zu sehr beliebten Treffpunkten. Und auch ohne Carby Tuckwell und sein graphisches Gesamtkonzept stünde Deus Ex Machina mit Sicherheit nicht dort, wo die Marke bei allen Neo- und Hipster-Bikern heute steht: ganz vorne.

Autor: Achim Bartscht

Weitere Information zum Thema
Webseite Deus Ex Machina: deuscustoms.com
Buchtipp 1: Carby Tuckwell: The Temple of Enthusiasm – Deus ex Machina in Bali.
Buchtipp2: Carby Tuckwell: Deus – House of Simple Pleasures