• Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#1

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  • Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#8

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  • Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#10

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  • Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#11

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  • Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#12

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  • Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#13

    Foto: Maschinisten & Soehne - W-M20#13


BSA W-M20 von Horst Bräuer

Vielleicht der einzige Oldtimer, der je in die DDR hineingeschmuggelt wurde! Horst Bräuers BSA W-M20 von 1941.

Sie steckt noch immer in der alten Uniform. Hat ihre Kratzer und Falten, ist ölverschmiert und staubig. Aber sie steht aufrecht da, auch wenn das eine oder andere Gelenk schon schlackert, und blickt mit klarem Blick nach vorn. Mit einer geladenen Batterie, mit Öl, Sprit und ordentlich Luft in den Reifen könnt´s von ihr aus gleich wieder losgehen. Doch erzähl erstmal, BSA W-M20, wie hat es dich von Birmingham nach Leipzig verschlagen?

BSA W-M20 – Das meistgebaute Kriegsmotorrad

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 sah sich das britische War Office gezwungen, quasi aus dem Nichts eine Armee zu rekrutieren, auszubilden und zu motorisieren. Zeit war ein knappes Gut und so wurde so oft wie möglich auf bereits vorhandene Technik zurückgegriffen, auch dann, wenn das Gerät nicht hundertprozentig für den Militärdienst geeignet schien.

Dies galt auch für das dringend benötigte Kuriermotorrad. Das War Office wischte seine ursprünglichen Bedenken gegenüber dem Modell M20 der Birmingham Small Arms Company (BSA) – zu schwer, zu schwach, zu wenig Bodenfreiheit – vom Tisch und bestellte ab 1939 stetig neue Tranchen der zuverlässigen und einfach zu wartenden Maschine. Das nun W-M20 genannte Motorrad (W für War) hatte einen Viertakt-Einzylinder-Motor mit 496ccm, seitliche Ventile, 13 bhp bei 4200 Umdrehungen und ein Viergang-Getriebe. Am Ende wurde die W-M20 mit 126.000 Exemplaren das meistgebaute Motorrad des Zweiten Weltkriegs. Sie fuhr auf jedem Kriegsschauplatz und blieb bis Ende der 1960er Jahre im Dienst ihrer Majestät Army, Navy und Air Force.

Eine BSA W-M20 für eine NSU OS

Horst Bräuer ist 78 Jahre alt und wohnt in Leipzig-Dölitz. Er ist gelernter Kfz-Meister und war lange Zeit Werkstattleiter am Institut für Bergbausicherheit in Leipzig. Und er ist, seit ewigen Zeiten, BSA-Fan. Seinem Traum, endlich Besitzer einer W-M20 zu werden (andere BSA aus der Vorkriegszeit hatte er schon), kam er Anfang der 1980er Jahre zum Greifen nahe, als er sich bei einem Bergrennen im tschechischen Domažlice, zu dem auch Gäste aus dem Westen anreisten, mit einem Motorrad-Fan aus der Bundesrepublik anfreunden konnte. Dieser Mann aus Bingen war seinerseits auf der Suche nach einer deutschen NSU OS, mit der wiederum Horst Bräuer dienen konnte.

Also wurden ein Handel und ein Plan beschlossen. Der neue Freund sollte im Westen eine originale W-M20 auftreiben. Da die Einfuhr von Kriegsgerät in den Ostblock verboten war, sollte das englische Motorrad als eine zivile, schwarzlackierte NSU OS maskiert und in dieser Gestalt zum nächsten Bergrennen in die CSSR gebracht werden. Horst Bräuer seinerseits würde aus seiner NSU eine schwarze BSA machen und zur gleichen Rennveranstaltung fahren, wo man dann in aller Stille die Maschinen tauschen wollte. Ihrer Maskerade entledigt, verließe dann wieder ganz offiziell eine NSU die CSSR und eine BSA würde in die DDR zurückkehren. Ein einfacher Plan; doch noch hatte man keine BSA W-M20 aufgetrieben.

Verloren am Monte Cassino

Gefunden wurde die W-M20 schließlich in Italien. Sie war im Frühjahr 1944 während der Schlacht um den Monte Cassino südostlich von Rom verloren gegangen und Bräuers Freund konnte sie kaufen. Wie geplant, wurde die originale sandfarbene Lackierung schwarz übermalt und die Maschine mit entsprechenden Markenemblemen von NSU versehen. Die Tauschaktion ging ohne Probleme über die Bühne und damit war diese BSA wahrscheinlich der einzige Motorrad-Oldtimer, der in die DDR eingeführt wurde. (P.S.: Regnen hätte es an diesem Tag aber nicht dürfen. Die schwarze Farbe der falschen NSU war nicht wasserfest!)

Und was hatte das private Import-Export-Geschäft für den Leipziger eingebracht? Horst Bräuers Tauschobjekt ist eine typische BSA W-M 20 aus dem Jahr 1941 mit Trapezgabel vorne und Starrahmen hinten, 496ccm Hubraum und einem Viergang-Getriebe (1 oben, 3 unten). Wahrscheinlich war sie einst für den Einsatz in Nordafrika vorgesehen und besitzt deshalb einen recht seltenen, speziellen Luftfilter. Ebenfalls selten sind der gerippte Ansaugstutzen und der Wartungsdeckel am Zündmagnetgehäuse. Neben den originalen Leinwand-Packtaschen verfügt die Maschine auch noch über die mittlerweile sehr raren Ausrüstungsgegenstände Feuerlöscher, Koch-Set und Schanzzeug. Dem hohen Alter zum Trotz ist die zierliche Kuriermaschine bis auf den heutigen Tag ein zuverlässiges Motorrad, mit dem Horst Bräuer noch bis vor kurzem im Alltag unterwegs gewesen ist.

Sie fahren alle noch mit

Wer mag mit der BSA gefahren sein? Natürlich britische Soldaten, die auf dem Vormarsch durch Italien die Befehle und Meldungen ihres Regiments überbrachten. Aber vielleicht auch deutsche Fallschirmjäger, die sich das Motorrad bei einem Gegenstoß am Monte Cassino schnappen konnten? Oder italienische Bauern, die nach dem Ende der Kämpfe mit der zurückgelassenen Maschine ihren Nachkriegs-Alltag meisterten? Von allen hat gewiß Horst Bräuer die meisten Meilen abgespult und dabei nicht nur die DDR und CSSR bereist, sondern auch, nach dem Fall der Mauer, Westeuropa unter die Räder genommen.

Heute ist der Zweite Weltkrieg Geschichte, die DDR ist Vergangenheit und auch die Birmingham Small Arms Company gibt es längst nicht mehr. Geblieben aber ist dieses kleine Motorrad, dem einst niemand seine beeindruckende Standfestigkeit zugetraut hätte. Welche Fahrer im Laufe der Jahrzehnte in seinem Schwingsattel saßen, wird zwar immer unklar bleiben. Eines jedoch ist sicher: Solange diese historische BSA W-M20 fährt, fahren sie alle noch mit!

Weitere Informationen zum Thema
BSA M20 auf Wikipedia: wikipedia.org/wiki/BSA_M20

Autor: Achim Bartscht

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